CANDYGIRL (Horror)

Autor: Michael Merhi

Verlag: Redrum Books Hardcore

Erschienen: 28. August 2016

Umfang: 434 Seiten

ISBN-13: 978-3959570107

 

Erhältlich als Taschenbuch und

E-Book (inkl. Kindle Unlimted).

 

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Einleitung / Handlung: Der brutale Zuhälter Robert Dunhill, alias "Schweineschwarte Bob" trifft auf das zwölfjährige Mädchen Candis. Für letztere beginnt mit dieser schicksalhaften Begegnung ein Albtraum in XXXL … .


Zunächst einmal: Ich habe gezögert, CANDYGIRL zu lesen, schließlich ist die Thematik Kindesmissbrauch in der Realität schon hart/komplex genug. Trotzdem habe ich mich (durch den Kontakt mit dem Autor) irgendwann an die Lektüre gewagt und wurde nicht enttäuscht. Die (gelungene) Überraschung lauerte bereits kurz hinter dem Ende der Leseprobe. Die Art, mit der der Autor hier insbesondere zwei Schlüsselszenen aus Bobbys Kindheit beschreibt, zeugt von großem Talent und besitzt literarische Tiefe. Atmosphärisch dicht und schlichtweg hervorragend "komponiert" - Wort für Wort, bis ins letzte Detail. Schwarz und Weiß. Himmel und Hölle. Ursache und Wirkung. Die simple Feststellung "Niemand wird böse geboren", stellt für mich eindeutig das Hauptmotto des gesamten Buches dar.

Unsere Persönlichkeitsentwicklung und das daraus resultierende Verhalten, wird maßgeblich von der Interaktion mit anderen Menschen geprägt. Dieser Umstand wird immer wieder aufgegriffen. Der seelische Werdegang beider Hauptprotagonisten vor deren eigentlichem Zusammentreffen, nimmt dementsprechend einen erheblichen Stellenwert ein. Und genau dadurch, hebt sich CANDYGIRL von den üblichen, eindimensionalen Popcorn-Gewaltorgien, egal ob Buch oder Film, ab.

Dabei schafft der Autor es, neutral zu bleiben. Er verfällt nie in eine Art "literarischen Betroffenheitsmodus" und vermeidet konsequent den Versuch, zu missionieren. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Stattdessen zeigt er schonungslos auf, dass es im Leben nun mal mehr als einen (!) Blickwinkel gibt. Demzufolge kommen die zum Genre bzw. Thema passenden Stilmittel und Gefühlszustände geballt zum Einsatz - derbe Gossensprache, die ausführliche Schilderung diverser Grausamkeiten inkl. Blut, Dreck, Erniedrigung, Gefühlskälte, Angst, Verzweiflung, Gier, Resignation, Aufbegehren usw.. Das Kopfkino des Lesers, und gegebenenfalls dessen Magen, werden jedenfalls fleißig gefordert. Man sollte sich vor dem Kauf bewusst sein, auf was man sich einlässt. Der Autor agiert exzessiv - vor allem im letzten Drittel. Am besten zwei Stunden vorher nichts essen und beim nächsten Grillabend keinesfalls ans Gelesene denken.


Persönliches Fazit: Letztendlich bleibt es jedem Leser selbst überlassen, in welche Relation er die Hintergundinformationen zu den beschriebenen Geschehnissen setzt, insbesondere im Fall von Bobby. Angesichts des hochemotional besetzten Themas eine echte schriftstellerische Gratwanderung, doch sie gelingt. Darüber hinaus stellt CANDYGIRL einen in sich geschlossenen, überwiegend flüssig geschriebenen Roman dar. Im letzten Drittel wurde es mir persönlich etwas zu eintönig, bedingt durch die stetige, exzessive Aneinanderreihung von Gewalt - aber dem vielversprechenden Gesamteindruck tat das letztendlich keinen Abbruch. Für ein Erstlingswerk eine solide Leistung und in jedem Fall ein Buch, das sowohl Leser ansprechen dürfte, die schrankenlosen Hardcore-Horror im Sinne von "Ekel, Abscheu & Entsetzen" suchen und gern an den Nägeln kauen, als auch diejenigen, die eher zur Kombination "Gnadenlosigkeit & Psychogramm" tendieren.


Bewertung: Lesenswert. 4,7 von 5 Sternen.

 

HInweis: CANDYGIRL wurde 2017 in der Kategorie "Horror" mit dem SKOUTZ-Award geehrt, einem Leserpreis.

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